Ben und Seppl waren aus unterschiedlichen Motivationen aggressiv gegen Menschen und Artgenossen.
Der eine, Ben, fürchtete nach bösen Erfahrungen mit Menschen stets und ständig um sein Leben. Seine Aggressionen glichen Kämpfen ums pure Überleben. Als er gelernt hatte, mir zu vertrauen, schien er gleichsam von einem Panzer befreit, der ihn bis dahin gezwungen hatte, sein Heil in der Attacke zu suchen.
Ben ist heute ein ruhiger, souveräner Hund, an den sich unsichere Artgenossen auffallend oft anschließen. Er schmust nicht nur mit mir gerne, Leckerchen nimmt er von vielen, vielen menschlichen Freunden, von denen heute keiner mehr Angst vor ihm haben muß und hat.
Der andere, Seppl, ist ein unsicherer Hund, der einen starken und ihn leitenden Partner an seiner Seite benötigt. Hat er den nicht, wird er von einem unsicheren Menschen geführt, sieht er keinen anderen Ausweg, als das, vor dem er eigentlich wegrennen wollen würde, anzugreifen.
Wie Ben lernte Seppl, daß er bei mir Sicherheit findet und ist damit heute ein Menschen gegenüber sehr aufgeschlossener Hund, der sich mit den meisten Artgenossen ebenfalls gut versteht. Trifft er Mensch oder Hund, die ihm unheimlich sind, versteckt er sich hinter seinem hundlichen "Kumpel" Ben oft nicht viel weniger gerne als hinter mir, Hauptsache beschützt, scheint sein Motto zu sein.
Seppl wurde mit meiner und Bens Hilfe zu einem fröhlichen, lebenslustigen Hund, der gerne arbeitet und nicht minder gerne spielt. Daß er darüberhinaus zu einer echten "Schmusebacke" mutiert, die endlich, endlich auch einmal richtig zur Ruhe kommen kann, ist Teil einer wunderbaren Wandlung zum wahrhaftigen "Jolly-Hund".
Ilias, vormals Flox, hingegen, stellte mich vor die umgekehrte Problematik. Er ist, wenn er keinen sicheren menschlichen und möglichst auch hundlichen Partner an seiner Seite hat, extrem ängstlich und will nur noch flüchten, notfalls auch durch geschlossene Türen und Fenster. Als ich ihn zum ersten Mal erlebte, zeigte er von dieser Angst absolut nichts. Auch, nachdem ich ihn bei mir aufgenommen hatte, blieb das so. Erst, als ich eine schon lange vor seinem Einzug geplante Reise, die mich im Autrag einer Tierschutzorganisation nach Ungarn führte, antrat und Flox, der mittlerweile Ilias hieß, zu meinen Hundesittern geben mußte, änderte sich das.
Kaum war ich weg, wurde Ilias unruhig, kratzte an Türen und Wänden, jaulte und weinte, was das Zeug hielt und konnte nicht eine einzige Sekunde allein bleiben. Sein Angstverhalten wurde so stark, daß tierärztliche Hilfe in Anspruch und Ilias medikamentiert werden mußte. Sein Verhalten schwächte sich ab, blieb jedoch für die beiden angsthundunerfahrenen Menschen hilflos machend und problematisch. Als ich zurück war, dauerte es keine 10 Minuten, und Ilias schlief tief und fest zu meinen Füßen und neben seinen Hundekumpels Ben und Seppl.
Auch an Ilias zeigt sich, wie wichtig ein ruhiger, sicherer Mensch sein kann, auch und gerade für ängstliche Zeitgenossen wie ihn.
Malinois Athos stellt seine Menschen ebenfalls gründlich auf die Probe. Als typischer Vertreter seiner Rasse ist er arbeitsfreudig, will aber auch bewiesen bekommen, daß der Zweibeiner an seiner Seite weiß, was er tut.
Bekommt Athos klare Spielregeln und einen souveränen Menschen, der ihn in allen Lebenslagen sicher zu führen versteht, ist er absolut pflegeleicht, bekommt er Unverständnis, falsch verstandene Härte oder zuviel Laissez-faire, mutiert er unversehens zum "Problemhund".
Seit er bei mir ist, wird er immer mehr zum absoluten Traumpartner mit vier Pfoten.
Drinnen ist Athos ausgeglichen und extrem anhänglich, schmust viel und ist seinen Hundefreunden ein toller Kumpel, draußen ist er mali-typisch spritzig (und oft nicht minder witzig), voller Arbeitseifer und Verspieltheit, mit einem ungeheuren Potential und einer unglaublichen Schnelligkeit, die jedoch nie in Hektik umschlägt.