Aggressionshund.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nur scheinbar

hoffnungslose Felle

 

 

Die Erfolgsgeschichten meiner vier Hunde sagen: Es ist zu schaffen!

 

 

Es ist möglich. Hunde, die aggressives Verhalten zeigen, sind nicht "krank" oder "anormal". Sie verhalten sich hundlich betrachtet logisch. Aggressive Hunde verfolgen ein Ziel. Es ist unsere Aufgabe, sie in die Lage zu versetzen, es auch ohne für uns Menschen inakzeptable und zum Teil gefährliche Verhaltensstrategien Erfolg zu erreichen.

 

Ben und Seppl waren aus unterschiedlichen Motivationen aggressiv gegen Menschen und Artgenossen.

 

Der eine, Ben, fürchtete nach bösen Erfahrungen mit Menschen stets und ständig um sein Leben. Seine Aggressionen glichen Kämpfen ums pure Überleben. Als er gelernt hatte, mir zu vertrauen, schien er gleichsam von einem Panzer befreit, der ihn bis dahin gezwungen hatte, sein Heil in der Attacke zu suchen.

 

Ben ist heute ein ruhiger, souveräner Hund, an den sich unsichere Artgenossen auffallend oft anschließen. Er schmust nicht nur mit mir gerne, Leckerchen nimmt er von vielen, vielen menschlichen Freunden, von denen heute keiner mehr Angst vor ihm haben muß und hat.

 

Der andere, Seppl, ist ein unsicherer Hund, der einen starken und ihn leitenden Partner an seiner Seite benötigt. Hat er den nicht, wird er von einem unsicheren Menschen geführt, sieht er keinen anderen Ausweg, als das, vor dem er eigentlich wegrennen wollen würde, anzugreifen.

 

Wie Ben lernte Seppl, daß er bei mir Sicherheit findet und ist damit heute ein Menschen gegenüber sehr aufgeschlossener Hund, der sich mit den meisten Artgenossen ebenfalls gut versteht. Trifft er Mensch oder Hund, die ihm unheimlich sind, versteckt er sich hinter seinem hundlichen "Kumpel" Ben oft nicht viel weniger gerne als hinter mir, Hauptsache beschützt, scheint sein Motto zu sein.

 

Seppl wurde mit meiner und Bens Hilfe zu einem fröhlichen, lebenslustigen Hund, der gerne arbeitet und nicht minder gerne spielt. Daß er darüberhinaus zu einer echten "Schmusebacke" mutiert, die endlich, endlich auch einmal richtig zur Ruhe kommen kann, ist Teil einer wunderbaren Wandlung zum wahrhaftigen "Jolly-Hund".

 

Ilias, vormals Flox, hingegen, stellte mich vor die umgekehrte Problematik. Er ist, wenn er keinen sicheren menschlichen und möglichst auch hundlichen Partner an seiner Seite hat, extrem ängstlich und will nur noch flüchten, notfalls auch durch geschlossene Türen und Fenster. Als ich ihn zum ersten Mal erlebte, zeigte er von dieser Angst absolut nichts. Auch, nachdem ich ihn bei mir aufgenommen hatte, blieb das so. Erst, als ich eine schon lange vor seinem Einzug geplante Reise, die mich im Autrag einer Tierschutzorganisation nach Ungarn führte, antrat und Flox, der mittlerweile Ilias hieß, zu meinen Hundesittern geben mußte, änderte sich das.

 

Kaum war ich weg, wurde Ilias unruhig, kratzte an Türen und Wänden, jaulte und weinte, was das Zeug hielt und konnte nicht eine einzige Sekunde allein bleiben. Sein Angstverhalten wurde so stark, daß tierärztliche Hilfe in Anspruch und Ilias medikamentiert werden mußte. Sein Verhalten schwächte sich ab, blieb jedoch für die beiden angsthundunerfahrenen Menschen hilflos machend und problematisch. Als ich zurück war, dauerte es keine 10 Minuten, und Ilias schlief tief und fest zu meinen Füßen und neben seinen Hundekumpels Ben und Seppl.

 

Auch an Ilias zeigt sich, wie wichtig ein ruhiger, sicherer Mensch sein kann, auch und gerade für ängstliche Zeitgenossen wie ihn.

 

Malinois Athos stellt seine Menschen ebenfalls gründlich auf die Probe. Als typischer Vertreter seiner Rasse ist er arbeitsfreudig, will aber auch bewiesen bekommen, daß der Zweibeiner an seiner Seite weiß, was er tut.

 

Bekommt Athos klare Spielregeln und einen souveränen Menschen, der ihn in allen Lebenslagen sicher zu führen versteht, ist er absolut pflegeleicht, bekommt er Unverständnis, falsch verstandene Härte oder zuviel Laissez-faire, mutiert er unversehens zum "Problemhund".

 

Seit er bei mir ist, wird er immer mehr zum absoluten Traumpartner mit vier Pfoten.

 

Drinnen ist Athos ausgeglichen und extrem anhänglich, schmust viel und ist seinen Hundefreunden ein toller Kumpel, draußen ist er mali-typisch spritzig (und oft nicht minder witzig), voller Arbeitseifer und Verspieltheit, mit einem ungeheuren Potential und einer unglaublichen Schnelligkeit, die jedoch nie in Hektik umschlägt. Kurz: Mein belgischer Schäferhund ist ein Traumhund, letztlich tun mir jene beinahe leid, die das nicht erkennen wollten.

 

 

Ben, *03.07.03, Fuerteventura, Bardino-Labrador-Mischling

 

           

 

Ben ist auf dem linken Auge blind, laut seiner Tierärztin vermutlich durch die Einwirkung stumpfer Gewalt, höchstwahrscheinlich durch Prügel. Das Röntgenbild oben rechts zeigt einen Teil der Schrotkugeln, die in Bens ganzem Körper verstreut sind. Die Schußverletzungen sind  mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf einen Unfall zurückzuführen sind, sondern auf gezielte Schüsse. Narben in Bens Gesicht und an den Läufen sprechen ebenfalls eine beredte Sprache. Das Photo im Kasten zeigt Ben noch auf Fuerteventura.

 

Seppl, *11.11.06, Osnabrücker Land, Kurzhaar-Collie-Schäferhund-Mischling

 

 

 

Seppl kommt aus dem Osnabrücker Tierheim. Er ist ein eher ängstlicher und vor allem streßanfälliger Hund, der auf starke nervliche Belastung u.a. mit sehr hohem Fieber und extrem apathischem Verhalten reagiert. Seppl war zu Beginn bei mir hyperaktisch und kam nur schwer zur Ruhe. Gezielte Entspannungsübungen sowie der Freilauf, der mit Hilfe des Clickers schnell möglich wurde, ließen ihn gesunden. Die Bilder zeigen Seppi, als er noch Lennie und später Bennie hieß.

 

Ilias, *18.03.06, Griechenland, Rasse unbekannt, möglicherweise Segugio Italiano

 

         

 

Ilias hieß früher Flox und kam über die Vorläufer-Organisation von "Stray - einsame Vierbeiner e.V." nach Deutschland. Nachdem er in der Familie, an die er vermittelt worden war, massive Angststörungen zeigte, gaben seine Menschen entnervt auf. Sie waren überfordert, zudem war sie durch die schwere Krankheit von Ilias' Hauptbezugsperson anderweitig stark eingebunden. Flox kam auf eine Pflegestelle, auch dort scheiterten die Menschen an seinen Ängsten. Nachdem ich ihn als Trainer hatte begutachten sollen, er sich jedoch im Zusammenspiel mit mir und Ben und Seppl vollständig verhaltensunauffällig zeigte, siedelte er zu uns über, zunächst lediglich als Pflegling, mit unserem Umzug "auf's Land" als dritter Hund im Verbund.

 

Athos, *29.8.04, Jena, Malinois

 

   

 

Athos hätte eigentlich beste Voraussetzungen für ein erfülltes Hundeleben gehabt. Er stammt nicht von einem Vermehrer, hat gute Vorfahren, sein aktuelles Verhalten und sein Charakter sprechen dafür, daß er durchaus behütet aufwachsen durfte. Leider geriet er in der Folge an Menschen, die mit ihm nicht klarkamen und dem alten Ammenmärchen der Dominanztheoretiker aufsaßen. So wurde er dafür weggesperrt, daß er einfach nur Hund, einfach nur Malinois, war. Zum Glück gab es, nach seiner Abgabe im Tierheim Menschen, die ihn verstanden.

Ungleich und ungleich gesellt sich gern: Athos (l.), Ilias (2.v.l.), Seppl (2.v.r.) und Ben (r.).